“Man muss sich von Bangkok verschlucken lassen, um seine Großartigkeit zu entdecken!”

Der Reiseblogger Christoph Pfaff erzählt im checkfelix-Interview über sein Verhältnis zu thailändischen Tuk-Tuk-Fahrern, das Feilschen auf Bangkoks Straßenmärkten und warum er thailändisches Essen nicht besonders gern mag.

checkfelix: Christoph, du warst ja schon mehrmals in Bangkok. Was macht für dich den Reiz an der Stadt aus?

Christoph Pfaff: Ich glaube, beim Thema Musik kennt es jeder: Es gibt Songs, die sind sofort da. Man muss sie nur einmal hören und weiß direkt: Das ist ein Hit! Und es gibt die sogenannten „Grower“, die ein bisschen länger brauchen. Man hört sie im Radio und denkt: „Joa, geht so.“ Aber je öfter sie laufen, desto besser werden sie. Die zweite Kategorie ist mir persönlich die liebere. Und genauso habe ich auch Bangkok erlebt.

„Der Reiz der Stadt ist, dass sie nicht offen-sichtlich schön ist.“

Vor zwei Jahren bei meinem ersten Besuch kamen wir noch nicht so richtig miteinander klar: zu laut, zu voll, zu stickig und stinkig. Aber keine drei Wochen später war ich schon wieder da, weil da doch irgendwas war, das mich anzog. Wir gewöhnten uns aneinander. Und seitdem muss ich immer wieder nach Bangkok kommen. Der Reiz der Stadt ist, dass sie nicht offensichtlich schön ist. Man muss eintauchen und sich von ihr verschlucken lassen, um ihre Großartigkeit entdecken zu können.

Ende 2011 hast du dich nach einem Hochwasser für eine Zeitung in Thailand umgesehen. Was hast du da erlebt?

In den touristischen Gegenden war von der Flut so direkt nichts mehr zu spüren. Es lagen zwar noch überall Sandsäcke herum, und ein paar Pfützen waren auch zu sehen. Aber da, wo Bangkoks Herz schlägt, hatte man in kurzer Zeit mit mehreren Cleaning Days schon viel geschafft.

Anders sah es dort aus, wo Touristen normalerweise nicht hinkommen. Im Stadtteil Don Muang war das Hochwasser zum Beispiel besonders schlimm. Dort sah ich überall noch von Schlamm überzogene Autos und Roller, vom dreckigen Wasser verwaiste Tankstellen und vor allem: jede Menge Müll.

Außerdem sprach ich in Don Muang mit einer Frau, in deren Haus das Wasser eineinhalb Meter hoch stand. Man kann sich nicht vorstellen, was das für die Familie bedeutet. Das ganze Erdgeschoss ist hinüber: die Waschmaschine, die Tapeten, das Gemäuer, die Sitzmöbel. Sie sagte damals: „Es wird mindestens ein Jahr dauern, bis wir alles wieder trocken haben.“ Dieses Jahr ist jetzt bald um. Ich hoffe, dass sich ihre Familie zu Hause inzwischen wieder wohlfühlen kann.

„Die Tuk-Tuk-Fahrer sind alle ganz nett“

Wie schwierig ist es, sich mit den Einheimischen zu verständigen?

Man kommt ziemlich einfach klar. Wer nicht asiatisch aussieht, wird sowieso direkt auf Englisch angesprochen. Nur in weniger touristischen Gebieten der Stadt werden die Fremdsprachen schnell dünner. Aber ich hab mich noch immer verständigen können: Zur Not mit Händen und Füßen – oder mit meinem „Ohne-Wörter-Buch“, das ich immer bei mir habe.

Man hört immer wieder, dass man sich vor Tuk-Tuk-Fahrern in Acht nehmen muss, weil die einen gerne übers Ohr hauen. Wie hast du das erlebt?

Ach, die sind alle ganz nett. Klar, auch hier gilt wieder: Wer nicht asiatisch aussieht, hat wahrscheinlich nicht die größte Ahnung vom Tuk-Tuk-System in Bangkok. Da kann es schon mal sein, dass der Fahrer einen Extragroschen herausschlagen will. Die Preise liegen aber meistens zwischen umgerechnet 50 Cent und 2 Euro, da kann keiner meckern.

Eine Fahrt mit dem Tuk-Tuk sollte nicht mehr als €2,- kosten

Lange Strecken sollte man eh lieber mit Taxi oder Skytrain zurücklegen, dafür ist das Tuk-Tuk einfach zu unbequem und zu laut. Und: Wer gleich zu Beginn der Fahrt klar macht, dass er nicht vor irgendwelchen Läden mit abgekarteten Deals zwischen Fahrer und Verkäufer abgesetzt werden will, hat nichts zu befürchten.

Auf Märkten gilt: Niemals mehr bezahlen als die Hälfte des ursprünglichen Preises!

Bangkok ist auch bekannt für seine vielen Märkte und Shopping-Malls. Welche Erfahrungen hast du dort gemacht?

Auf der bereits angesprochenen Reise nach Bangkok hatte ich mich nicht nur informiert, wie die Folgen des Hochwassers aussahen, sondern auch noch einen Artikel übers Shoppen in Bangkok recherchiert, der im Januar im Magazin „Reise & Preise“ erschienen ist. Wo gibt es guten Schmuck? Wo echte Markenware? Und wo die besten Fakes?

Neben den zahlreichen Shopping Malls wie MBK, Central World und Siam Paragon sind der Chatuchak Weekend Market, Patpong Night Market und Khao San Road die bekannten Adressen – alles natürlich sehr touristisch. Aber wer sich an die Regel hält, nicht mehr zu bezahlen als die Hälfte des Preises, den der Händler vorgeschlagen hat, wird nicht übers Ohr gehauen. Und: Immer lächeln, dann macht das Handeln auch beiden Seiten Spaß.

Mein Video über Shopping in Bangkok hat da natürlich eher einen unterhaltenden als einen informativen Charakter.

Hast du dir eigentlich einen Maßanzug schneidern lassen?

Ich war für den Artikel auch bei mehreren Schneidern, um unangekündigt die Qualität von frisch geschneiderten Anzügen zu checken. Einigermaßen empfehlenswert sind zum Beispiel James Fashion International und The Grand Fashion International. Gute Ware, aber die Art der Verkäufer ist teilweise etwas, naja, energisch. Selbst habe ich mir nichts gekauft – ich bin einfach kein Anzugträger

Die touristischen Klassiker auf einen Blick

Angenommen, man ist nur einen oder zwei Tage in Bangkok – was sollte man sich unbedingt ansehen?

Toll sind die Tempelanlagen am Fluss wie zum Beispiel Wat Arun. Genauso der Königspalast und der Golden Mount. Das sind die touristischen Klassiker. Darüber hinaus lohnen sich auch Streifzüge über die Märkte, weil dort das echte Leben tobt. Der Sampeng Wholesale Market ist zum Beispiel ein unheimlich enges, wuseliges Gebilde von kleinen Gässchen, durch die sich LKW mit neuer Ware schieben – und drumherum ist alles voll von Menschen. Sicherlich nichts für Klaustrophobiker – aber ein Erlebnis!

Der Große Königspalast ist eines der kulturellen Highlights in Bangkok

Wo gibt es in Bangkok das beste Essen?

Das ist das Paradoxe an meiner Liebe zu Bangkok: Mit dem thailändischen Essen komme ich nicht besonders gut klar. Eigentlich schmeckt alles gut, aber die Thais mischen in fast alle Gerichte ein bestimmtes Gewürz, das ich nicht mag. Ich weiß nicht genau, welches – ich glaube, es ist Koriander.

Wo kann man am besten fortgehen, wo gibt es die besten Partys?

Bangkok hat unzählige Partymeilen, die echt nicht zu verachten sind. Ein bisschen was kenne ich schon, aber da muss ich beim nächsten Mal definitiv noch tiefer eintauchen – und dann wird’s auch ein neues Video á la „One Night in Bangkok“ geben. Ich werde es wahrscheinlich „Hangover“ nennen.

Zum Abschluss noch eine Frage, die nichts mit Bangkok zu tun hat. Wo machst du am liebsten Urlaub?

Ich bin privat am liebsten dort unterwegs, wo man Roadtrips machen und die Freiheit spüren kann: USA, Australien, aber auch Europa. Wenn ich Abenteuer will, geht’s nach Südostasien. Und die nächste große Reise wird mich im Januar nach Japan führen. Das wird auch spannend!

Christoph, danke für das Interview!

 

Reiseblogger Christoph Pfaff im Interview

Über Christoph Pfaff

Seit 2011 ist Christoph Pfaff als freier Reisejournalist unterwegs. Die Abenteuer, die er auf seinen Reisen um die ganze Welt erlebt, verarbeitet er auf unterhaltsame Weise in seinem Reiseblog Von Unterwegs oder in Geschichten für Reisemagazine, Tageszeitungen und Onlinemedien. Christoph lebt in Kiel und wurde im Jahr 2009 mit dem Axel-Springer-Preis für junge Journalisten ausgezeichnet.