[Gastartikel] 73.000 Kilometer quer durch Afrika mit einem alten Feuerwehrfahrzeug

Auf diesen Gastartikel von Sabine Buchta und Peter Unfried haben wir uns besonders gefreut. Natürlich begeistern uns die Erlebnisse unserer Leser und Leserinnen gleichermaßen, aber eine Reise, die quer durch Afrika ging, auf der 73.000 Kilometer zurückgelegt wurden und die 2,5 Jahre dauerte, diese Idee faszinierte uns besonders! Sabine Buchta und Peter Unfried haben ein altes Feuerwehrfahrzeug fahr- und wohntauglich gemacht und sind damit im Oktober 2006 nach Afrika aufgebrochen.

2,5 Jahre durch Afrika mit  Sabine Buchta, Peter Unfried und August, dem Reisewagen

Ich denke es war 2002 als wir beschlossen haben nach Afrika zu reisen. Es war bloß eine Idee, aber eine fixe. Nur auf das Abreisedatum wollten wir uns nicht festlegen. Klar war uns allerdings, wie wir reisen wollten: mit einem alten Mercedes-Lkw! Nun ging es daran, genau einen solchen aufzutreiben. Nach einjähriger Suche in ganz Österreich und Deutschland wurden wir fündig: ganze 10 km von unserem Haus entfernt!

Da es sich um ein Feuerwehrfahrzeug mit Löschtank, Bj. 1966 handelte, kann man sich vorstellen, dass die Umbauarbeiten etwas mehr Zeit in Anspruch nahmen.

„Ihr fahrt sowieso nie!“, war die Aussage unserer Freunde, an die wir uns bereits gewohnt hatten

Im Oktober 2006 ist es dann soweit. Gemeinsam mit unserem Oldtimer-Lkw „August der Reisewagen“ kehren wir Europa den Rücken. Völlig übermüdet und ausgelaugt erreichen wir das Fährschiff, welches uns von Genua nach Tunis brachte. Nach einer kurzen Erholungspause reisen wir nach Libyen (Bild) und stürzen uns förmlich in die Sahara. Wir durchqueren die Ubariwüste von Nord nach Süd in 7 Tagen. Auf diesen 1000 km begegnen wir keiner Menschenseele. Es gibt nur uns, unendliche Sanddünen und jede Nacht einen atemberaubenden Sternenhimmel.

Den kältesten Winter seit langem erleben wir in Ägypten. Schnorcheln im Roten Meer ist gestrichen, dafür haben wir jede Menge Zeit für Ausgrabungen, Tempelanlagen und Pyramiden. Im Sudan genießen wir die Ruhe, die Stimmung und wir erlernen die Langsamkeit.

Unser Ziel, in einem halben Jahr von Österreich nach Ostafrika zu fahren und den Viktoriasee zu umrunden, verfehlen wir. Denn nach 6 Monaten sind wir erst in Äthiopien, wo uns das Hochland sehr an Österreich erinnert: Berge, Wälder, Flüsse und Weiden mit Pferden und Schafen. Doch langsam tauchen wir ein nach Schwarzafrika. Nicht nur die Landschaft ändert sich dramatisch, sondern auch das Klima und die Menschen. An die 39°C in der Nacht werde ich mich nie gewöhnen! Wir nehmen selten den direkten Weg, bekanntlich ist der Weg das Ziel. Und so ist es auch bei uns. Dadurch haben wir intensive Begegnungen mit Menschen, für die der Weiße ein ungewohnter, aber willkommener Besucher ist.

Viel haben wir auf unserer Reise gelernt, auch eine gewisse Gelassenheit und die schon erwähnte Langsamkeit, die zur afrikanischen Mentalität gehört. Aber auch, dass die Blätter des Affenbrotbaumes gut schmecken, dass die Nubier im Sudan zu den gastfreundlichsten Menschen zählen, dass Botswana das Paradies der Tiere ist (siehe Bild) und dass man im Kongo Bier aus 750 ml Flaschen trinkt.

Was haben nun die Afrikaner von uns gelernt? Zum Beispiel, dass Weiße auch kochen können, dass Geld nicht unbegrenzt aus dem Bankomat kommt und dass Österreich keine deutsche Kolonie ist.

Nach 1 ½ Jahren erreichen wir Südafrika, fühlen uns gar nicht mehr wie in Afrika und beschließen trotz anfänglicher Bedenken, die Heimreise über Zentral- und Westafrika anzutreten.

Die erste Hürde ist gleich mal das Visum für Angola, doch nach 2 Wochen täglichen Erscheinens auf der Botschaft bekommen wir 30 Tage in Pass gestempelt. Angola hat ein schlechtes Image, genauso wie auch Kongo oder Nigeria. Doch wir werden positiv überrascht und können nur Gutes berichten. Zum dritten Mal ereilt uns die Regenzeit, diesmal in Kamerun. Die Hauptverkehrsroute von Süd nach Nord sieht anfangs ganz passabel aus, das soll sich aber schnell ändern. Keine Spur von Asphalt, klebriger roter Lehmboden, der sich nach täglichen sintflutartigen Regenfällen in eine Rutschpartie verwandelt. Am besten man geht gleich ohne Schuhe oder Flipflops, denn die verliert man ohnehin beim zweiten Schritt. Nur gut, dass wir Zeit haben. Manchmal schaffen wir sogar 2 km pro Tag!

Auf einer solch langen Reise braucht man immer wieder Urlaub vom Reisen. Während der Regenzeit und in stark bevölkerten Gebieten ist das aber schwierig. Das nächste Mal soll es uns erst in Ghana, Westafrika, gelingen. Wir finden den perfekten Platz an der Küste, parken August unter Kokosnusspalmen direkt am Strand und lassen 5 Wochen lang die Eindrücke sickern und die Seele baumeln.

Von hier geht es immer nach Norden, anfänglich noch durch Regenwälder erreichen wir in Burkina Faso die Sahelzone und Städte mit faszinierenden Namen wie Ouagadougou. Die Sahara liegt wieder vor unserer Haustüre. Was gibt es Schöneres als inmitten von weißen Dünen westafrikanischer Musik am Festival au Desert zu lauschen?

Die Temperaturen in Mauretanien im Winter 2009 sind schon ein kleiner Vorgeschmack auf Europa. Wir haben äußerst gemischte Gefühle, was unsere Rückkehr nach Österreich anbelangt.

Zuvor genießen wir allerdings noch Marokko. Die Marokkaner und das Angebot an Lebensmittel sind umwerfend. Ich vergesse immer noch, dass ich nicht hamstern muss, wie sonst überall in Afrika. In Dakhla, der größten Stadt im Süden, entdecke ich einige Konditoreien. Wie ein Kind, das zum ersten Mal einen Weihnachtsbaum sieht, bleibe ich vor der ersten Auslage stehen und drücke meine Nase gegen die Scheibe. Meine Augen glänzen und der Speichelfluss wird angeregt. Die Verkäufer beobachten mich schon die längste Zeit vom Geschäft. Als ich sie bemerke ist das Gelächter groß. Sie drücken mir ein paar Kostproben in die Hand und wünschen mir guten Appetit.

Im Hohen Atlas stapfen wir seit 3 Jahren wieder im Schnee, beschließen aber sofort, nochmals Richtung Süden zu fahren, zu den Ausläufern der Sahara mit den Palmenhainen und wunderschönen Kasbahs.

Auf den insgesamt 73.000 in Afrika zurückgelegten Kilometern hatten wir nur einen Reifenschaden, was in Anbetracht der Pistenverhältnisse fast an ein Wunder grenzt. Dafür war der Verschleiß an Federblätter enorm. Nummer 19 brach in Marokko, 200 km bevor wir die Fähre erreichten, die uns wieder nach Europa brachte.

Glück braucht der Mensch! Und das haben wir gehabt. Miteinander, auf der Reise und mit unserem Fahrzeug. In diesem Sinne starten wir vielleicht bald wieder unseren August, den Reisewagen.

Vorläufige Vortragstermine 2011

Gemeinlebarn (NÖ) – FF-Haus

12. März Teil 1 Tunesien bis Südafrika

19. März Teil 2 Namibia bis Marokko

Klosterneuburg (NÖ) – Babenbergerhalle

22. März Teil 1 Tunesien bis Südafrika

29. März Teil 2 Namibia bis Marokko

Neudörfl (Bgld.) – Martinihof

28. März Teil 1 Tunesien bis Südafrika

04. April Teil 2 Namibia bis Marokko

Bad Gastein (Sbg) – Casino

19. April Teil 1 Tunesien bis Südafrika

26. April Teil 2 Namibia bis Marokko

Korneuburg (NÖ) – Naturfreundehaus

14. Mai Teil 1 Tunesien bis Südafrika

21. Mai Teil 2 Namibia bis Marokko

Beginn jeweils 19:30 Uhr, außer Korneuburg: 20:30 Uhr

Mehr Infos dazu:

www.augustderreisewagen.com

facebook: Gruppe August der Reisewagen